Dr. Wunibald Müller über Sexualität und mögliche Reformen in der katholischen Kirche
Auch beim zweiten Arnsberger Kamingespräch begrüßte die JU zahlreiche Gäste um gemeinsam zu diskutieren
Die Arnsberger Kamingespräche garantieren bereits seit einigen Jahren spannende und diskussionsreiche Abende zu unterschiedlichen Themen. Auch 2011 knüpft die Reihe an den Erfolg vergangener Veranstaltungen an und begrüßte am vergangenen Freitag bereits zum zweiten Mal zahlreiche Gäste und Interessierte im Haus der Neheimer Jäger. „Eine Kirche im Wandel“ lautete dabei die Überschrift eines für alle Anwesenden nachdenklichen Abends.
Mit Dr. Wunibald Müller begrüßte das Publikum einen absolut hochkarätigen Referenten für dieses durchaus heikle Thema. Müller reiste eigens aus Bayern an. Dort ist der studierte Theologe und Psychologe unter anderem Leiter des Recollectio-Hauses in der Abtei Münsterschwarzach, einem therapeutischen Zentrum für Geistliche. In seinen Ausführungen bezog sich der bekannte Schriftsteller auf die vier Themenkomplexe Kirche, Zölibat, Klerikalismus und Verwandlung in der Kirche, bei der es im Wesentlichen auf eine Neubestimmung einer vom Evangelium geprägten Kultur geht.
Dr. Müller gab den Anwesenden in seinem Vortrag einige interessante Denkanstöße. Ein Höchstmaß an Sensibilität erforderte die Auseinandersetzung mit der Homosexualität. Der Mensch als Geschöpf Gottes sollte die Annahme seiner sexuellen Gefühle bejahen. Der Zölibat bedürfe einer reifen Persönlichkeit. "Sexualität ist ein Geschenk Gottes und solle deshalb akzeptiert und nicht verdrängt werden" erklärte Müller, der u.a. auch das Priesteramt für Homosexuelle und Freuen fordert.
Zu oft würde die Sexualität aber durch kirchlichen Druck in den Turm der Verschwiegenheit gestellt und erzeugt dadurch Fehlentwicklungen.
In einer späteren Diskussion mit den anwesenden Besuchern der Kamingespräche konnte man schnell unterschiedliche Haltungen zur aktuellen Kirchensituation heraushören. Während einige sich bereits in naher Zukunft große Reformen aus Rom erhoffen, gab es gerade unter den jüngeren Zuhörern auch Meinungen, die einen Wandel in der Kirche durchaus kritisch sehen. In diesem Zuge kam ebenfalls das Memorandum „Kirche 2011“ zur Sprache, in welchem namenhafte Theologen massive Veränderungen in der Kirchenhaltung fordern. „Führt die Masse der Reformvorschläge im Memorandum nicht eher zu einer Verhärtung der Fronten?“ fragte Andreas Janßen von der Jungen Union in die Runde, stellte aber dennoch klar, „dass Veränderungen ein unerlässlicher Teil jedes Entwicklungsprozesses seien.“ Das Schlusswort des Abends hatte Manuel Brinkmann als Organisator der Kamingespräche, der sich bei Herrn Dr. Müller und bei den anwesenden Gästen herzlichst für ihre Teilnahme bedankte und auch ein gutes Resümee zog: „Es ist gut und wichtig, derartige Themen im Beisein unterschiedlicher Generationen zu diskutieren, bevor sie dem Einzelnen zu fremd geworden sind.“
Am 25. März werden die Arnsberger Kamingespräche fortgesetzt. Als Referent wird Pfarrer Helge Hohmann erwartet, der besonders die Rolle von Kirche und Religion in der Integrationsdebatte thematisieren wird. Auch zu diesem Termin sind wieder alle Interessierten eingeladen, am genannten Termin um 19 Uhr ins Haus der Neheimer Jäger zu kommen.



